Säulizunft Arlesheim

Säuligeschichten

Viel Spass beim Durchlesen unserer Säuli-Geschichten!

Die Sage des Wildschweines (Wappentier von Pruntrut)

 

Vorgetragen am Säuli-Essen vom 9.1.2004 in Erinnerung an die Beteiligung der Säulizunft Arlesheim am St-Martin-Markt vom 7.-10.11.2003 in Porrentruy:

Die Wappen von Pruntrut, silbern mit einem sandfarbigen Wildschwein, sind Teil der Geschichte der Stadt. Wie die Stadt selbst, sind sie Gegenstand von verschiedenen Studien und die Sage die sie berühmt gemacht haben, ist es würdig, erzählt zu werden.

Das Wildschwein, Sinnbild von Unerschrockenheit und von Mut, erschien oft auf Bannern. Mehr noch, das Tier besuchte immer wieder unsere Region; auch heute noch gibt es Anlass zu winterlichen Hetzjagden, sorgfältig und mit grossem Einsatz organisiert von den Jägern.

Die Sage ist mehr lyrisch: "An einem Tag in früheren Zeiten kam ein einzelnes Tier heran galoppiert. Den Schwanz in die Luft und die grosse Schnauze weit aufgesperrt (ein Riesenexemplar von einer Wildsau!). Sie überspang die zehn Fuss hohe Stadtmauer, wie wenn diese nur ein kleiner Gartenzaun gewesen wäre."

Nachdem sich das Tier von dem plötzlich eingetretenen Erschöpfungszustand erholt hatte, wurde die Sau durch eine Axt zu Tode erschrocken, welche ein mutiger Pruntruter durch ein Fenster geworfen hatte! Sie brach schliesslich vor der Treppe des Rathauses in sich zusammen.

Dieses Abenteuer zeigte den Ratsherren, dass die Ringmauern der Stadt an gewissen Stellen ungenügend hoch waren, um sich den Angriffen von Feinden zu erwehren. Der Rat beschloss daher, die Stadtmauern auf eine noch imposantere Höhe aufzustocken.

“Dieses von der Vorsehung geschickte Wildschwein war also – ohne jeden Zweifel – der Botschafter der beschützenden Macht der Stadt... Der Rat beschoss an einer feierlichen Sitzung, dass fortan das Wildschwein das Sinnbild der lobenswerten Stadt von Pruntrut sein wird. Die Standarten der Stadt pflanzten somit das sandfarbige Wildschwein auf silbernem Grund auf und die offiziellen Siegel druckten auf alle Dokumente das borstige, springende und grunzende Wappentier, welches an einem denkwürdigen Moment den guten Geist der Stadt verkörpert hat."


Säuligschichtli 2005

Verzellt am Säuliässe vom 6. Januar 2005 vom Seckelmeister Heinz Heller
Frei nach eme Märli vom Trudi Gerster:

Am Änd vomene Dorf isch e chlises Huus gstande mit eme abaute Stall. Dört het e alts Jüngferli gwohnt, s’ Fräulein Lina Binggeli.

Emol isch d’Lina im Gärtli gstande und het gjättet. Do ghört si uf eimol öppis ganz jämmerlig quitsche. Wo si ufs Ströösli useluegt, gseht si e Wage mit ere Chischte druf. Dört drinn isch e chleinses Säuli gsih. Das het si rosarots Schnäuzli zum ene Spalt usegstreggt und quietschd und quietschd. Vorne ufem Kutscherbogg isch der Metzger gsässe und het mit der Geissle klöpft. S’Fräulein Binggeli chunnt azrenne. Was mache si mit dämm chline Säuli, worum quietschd das eso? „Das wird jetzt denn gmetzged. Mei das git e feyne Schingge.“

„Gmetzged, so e härzigs Säuli. Gsehn si denn nit wie das Angst het? Gänn si s’mir, in mim Stall hets Platz sit ich kei Chue meh ha.“ Der Metzger lacht, „wägemir, aber s’chosted 150 Frangge“. S Fräulein Binggeli zäpft ins Huus, längt unter d Matratze, chnüblet zwei Note füüre und bringt se em Metzger use. Dä het em s Säuli geh, und s Fräulein Binggeli hets in Stall dreit. Das Säuli hets guet gha bim Frl. Binggeli. Si het em Säuli ganz e gmüetliche Stall gmacht, mit rot/wiss ghüslete Vorhäng. Am Bode hets e Matratze mit Stroh dinne gha und ime Egge isch e gschnitzte Balke gstande - dört het s Säuli sich chönne chratze, wenn’s es bisse het.

Zum frässe hets e Troog gha, dört sinn Blüemli und Vögeli drufgmohlt gsi und uf em Bode isch sogar e Teppich gläge, dä isch jede Daag gstaubsuugered worde. Am Sunntig het d Lina em Säuli sogar e früsche Bluemestruus in Stall inegstellt, doch was macht das donners Säuli? Gfrässe hets die schöne Blüemli. Do hets Fräulein Binggeli s erste Mol e Wuetafall gha.

„Aber nei au Dani, die Blüemli sinn zum aluege und nit zum frässe, du Luuszapfe.“ Der Dani isch wirklich e chli e Luuszapfe gsih. Allewyl het er öppis bosget. S isch halt em Dani e chli langwylig gsih, so immer nur mit em Fräulein Binggeli und ohni anderi Säuli.

Mir hänn jetzt ghört, s Säuli im Gschichtli vom Trudi Gerster het Dani gheisse. Dass das Gschichtli aber e bitzeli persönlicher wird, hani der Name Dani ersetzt durch d’Näme vo unsere Zunftbrüeder in alpabetischer Reihefolg. Wenn immer also jetzt e MännerVorname chunnt isch der Dani, also s’Säuli gmeint.

Amene Morge isch der Max ufgwacht. S het wieder ganz gut gschmöggt, d Vögel hänn zwitschered und der Roland het fröhlich grunzt. „S isch aber e schöne Dag, mir isch so richtig sauwohl. Hüt mues emol öppis laufe.“ Denn isch er vor der Stall usegstande und het gwartet bis öppis lauft.

Gli drufabe chunnt e Tschäggete Appezällerbless derher. Der Daniel versteckt sich hinter eme Gstrüpp und wo der Bless ganz noch isch, holt er tief Luft und macht e luute Gruntzer . Der Bless isch so verschrogge, dass er in eim Schnutz in d Hundshütte inegstobe isch und sich die längsti Zyt nümme uusetraut het. Der Erich het sich krümmt vor lache. Denn stoht er wieder ganz still do und wartet bis öppis lauft.

Nach eme Wyli chunnt em Nochber si diggi graui Chats. Si het welle go muuse. Der Ralf versteckt sich wieder hinterem Gstrüpp und wo d Chatz ganz noch isch, holt er tief Luft und grunzt was er usebringt. D Chats isch uf der höggsti Baum uffe gstobe und het ganz verdatteret onbenabe gschiehlt. Und der Alois het wieder müesse lache. Er het eso glacht, dass er uf der Rugge drohlt isch und alli 4 Bei vo sich gstreggt het. Denn stoht er wieder ganz still do und wartet bis öppis lauft.

Jetzt isch s Fräulein Binggeli us em Huus cho mit eme Tablett. Dört isch s Frässe für der Thomas druffgsih. Aber nit Chrut und Rüebli durenander wie für gwöhnlichi Säu. Nei, e Schüssle mit Härdöpfelstogg, eini mit Bluemechöhl und eini mit Zwätschgemuess zum Dessert. „Chumm Schatzeli, chumm go ässe chumm, guti guti. Chumm bevor s chalt wird.“ S Fräulein Binggeli het d Schüssle schön näbenenander in Fuetertrog inegstellt. Der Mathis isch hindedrizottlet und het d’Lina mit sine chline Augli vo undenuffe agluegt. Und uf eimol chunt em öppis in Sinn. D Lina het e neue Schurz agha, rot mit gäle Tüpfli und hinde mit eme Lätsch zämmenbunde. Uf eimol paggt der Robert der eint Rockzipfel und fangt a zieh. „He du, loss mi in Rueh, du Luuser, hör doch uff zieh … „ aber der Hugo zieht nomeh, s Fräuleoin Binggeli zieht au und uf eimoll isch der Schurz verrisse und d Lina isch uf der Rugge drohlt. Do het der Lukas wieder müesse lache. S Fäulein Binggeli isch aber jetz s erst mol so richtig taub gsih. „Hansjörg, also loos emol, was fallt dir eigentlich i – bisch wirklich e Luusbueb mi neu Schurz go verrisse. Marcel, Ruedi“… Der Robi isch aber scho lang us em Stall usse gsih, das het er nämlig nit chönne verputze, wenn me mit ihm gschumpfe het. Jetzt isch er wie e übermüetige Geissbock im Garte umegaloppiert und d Lina hindedry. Chum do ahne, mei di verwütschi scho no das wär mir jetz au no chum jetz.

S Frälein Binggeli het der Theo aber nit verwütscht. Er het schliesslich 4 jungi Bei gha und s Fräulein Binggeli nur 2 alti.

Nach eme Zyttli isch der Josef wieder ganz gmüetlich in Stall zrugg und vor der Fuettrog anegstande.. So jetzt frässisch aber di Zmittag, das isch gutzifein. Der Toni aber schüttlet der Chopf. Ich will kei Härdöpfelstogg und kei Bluemechöhl. Ich wot früsches Gras, grüens Gras. Er nimmt e Aalauf und rennt chopfvora uf der Fuetertroog los, dass der ganz zMittag uf em Teppich gläge isch. Denn isch er au no in däm Züg umegruugelet. Woner wieder ufgstande isch, het er der ganz Buuch voll Härdöpfelstogg gha, der Chopf voller Oepfelmues und dNaselöcher und d Ohre voller Zwätschgemuess. sFräulein Binggeli het d Händ über em Chopf zämmegschlage, aber nei au, wie du usgsehsch. Dir wott i jetzt aber, weisch was du bisch?

E Sau bisch und das bisch und blibsch.

S Fräulein Binggeli isch zum Stall us und mit eme Chüübel voller Seifewasser zrugg cho. Si fangt der Stefan afo abschrubbe. So jetzt mache mir wieder e suubers Buebeli, gäll. Lueg emol schön suubermache, s Büüchli und jetz no dOhre … soseli so. Sie het d Lampiohre ufglüpft und ihm der Bluemechöhl usegwäsche. Am Schluss leert si no s ganz Wasser über der Paul zum ihn abspüehle. Der Ruedi schüttlet sich wie e Walross und het d Lina vo Chopf bis Fuess vollegsprützt. Do het er wieder chönne lache. S Fräulein Binggeli isch vor der Stall gstande und het sich vo der Sunne lo tröchne. Der Emil isch näbe se anegstande und het se mit sine listige Augli lustig agluegt.

Uf eimol blumbst e Öpfel vom Baum abe, em Magnus grad uf dNase. Jetzt het aber s Fräulein Binggeli müesse lache. Das gscheht dir aber jetzt ganz rächt, du Spitzbueb. Der Schampe het der Öpfel ufgfrässe. Der Stil, der Wurm s Bitzgi und alles Rübedistübedis. Denn isch er ganz vo sälber in Stall zruggtramplet. S Fräulein Binggeli het der Teppich putzt. Denn hets mit däm zämmebutzte Gmües und mit eme Räste Öpfelmuess e gueti Säutränggi kocht und em Alois in Stall brocht. Der Peter het alle gschlurpft, denn isch er uf si Matratze gläge und het z friede gruntzt. Hüt isch e schöne Dag gsih, s isch wenigstens emol öppis gloffe. Nach eme zittli isch s Fräulein Binggeli choh und het em Otti über der Chopf gstrichlet. So, hüt bisch e chli e Schlingel gsih, luter Dummheite hesch gmacht. Morn bisch denn wieder e Liebe, hesch ghört. Der Heinz gruntzt ganz liislig, nei i has nit ghört, i schlof jo scho. Bald drufaabe het er wirklich gschloffe.

Däm Gschichtli chönne mir entnäh:

Nit jedes Säuli wo set zum Metzger, chunnt dört au a, wie au nit jedes Säuli wo als Schwingerpriis spändiert wird, den au bimene Schwinger achunt.

Und das hänn mir jo scho gwüsst.

Und het die Gschicht au e Moral? Mindestens e Paralelle het si scho zur Säulizunft:

Wie em Säuli Dani gohts ame au em Zunftbrueder Daniel und em Walti und em Peter und em Heinz und em Wisi und em Erich und andere Zunft- und Ehrezunftbrüeder wenn sie vome Zunfthogg heimchömme…. Si grunzte ame au mehr oder weniger liislig vor sich ane ….. nein, nei i has nit ghört, i schloof jo scho. Und bald drufaabe schloofe si e gsunde, tiefe Schloof.


Säuligschichtli 2009

Zwei wahre Säuligeschichten
Vorgetragen von Anna und Marcel Huber-Leuthardt:

Ich bin auf einem Bauernhof an der Oberen Gasse 12 in Arlesheim direkt unterhalb des Sonnenhofes aufgewachsen.

Mein Vater war Rebbauer und Landwirt, und wir hatten Kühe, Schweine, Pferde, Hühner und alles, was man sich damals unter einem Bauernhof vorstellen konnte. Mein Bruder Sepp, der damals der letzte Bauer auf dem Badhof war, hatte die Aufgabe, die Schweine nach Hause zu bringen, die mein Vater auf dem Säulimarkt in Laufen einkaufte.

In der Familie hatte mein Vater Josef Leuthardt den Spitznamen Fin, was eine Abkürzung von „Josefine“ war. Im Dorf kannte man unsere Familie als d Sydewäbers. Die Schweine brachte man zum Schlachten jeweils in die Metzgerei Jenzer.

Einmal passierte etwas mit einer Sau, von der nun mein Mann mehr erzählt. Die Geschichte heisst: Fines’ Säu.

Fines’ Säu

Z Laufe uf em Säulimärt
gang und lueg, es isch s der Wärt,
chaufsch die Suggi en gros y,
nochhär tringgsch e Glesli Wy.

Der Sepp, der Jung, bringt d Säu denn hei,
es isch e riese Grunzerei.
„Hesch mir au die schönste brocht?
Ich ha bereits scho d Tränki kocht .“

In der Obere Gass weiss jede Goof:
D Tränki chunnt vom Sunnehof.
So frässe alli früsch und munter,
jedi weiss, am sächsi chunnt er.

S chunnt au der Pfarrer emool pro Johr,
er sägnet s Veh, der Stall – s isch wohr –
nimmt s Chruzifix in d Hand
gäge Süchene und Brand.

S chunnt der Pfarrer Ludwig an der Tür go lüte
(Kapuziner chömme leider nümmi hüte)
und goht am Schluss no mool in Stall
will ihm e sone Säuli eifach g’fall.

Er meint, me sott e Säuli jo nit unterschätze,
me ka nämlig mit em schwätze.
Es loost und stelli sini knickte n Oehrli
und rüsslet zfriede mit em Schnörrli
und d Aeugli sige wie ne Guufechnopf
und spiegle in der Sunne wie ne Wassertropf.

Doch einisch ame schöne Tag
eini nümme frässe mag.
Seit der Josef zu der Frau:
„Lina, ich verchauf die Sau!“

Truurig isch’s, die Sau muess furt,
d Chatze briele, der Hofhund chnurrt.
De Chieh im Stall isch s nümmi wohl,
Milch git’s chuum e Chübel voll.

S goht grad just der Wienacht zue,
alli hän e Huffe z tue.
Trotzdäm chunnt der Jenzer ufe:
Du armi Sau, wirsch nümm lang schnuufe.

Sie lade s uf e Chare
und dien s zum Metzger abe fahre
für Fleisch vo alle Sorte,
doch leider isch do nüt drus worde.

Denn plötzlig lütet s wieder an der Tür,
der Jenzi seit: „Cha nüt derfür!
Ich cha eifach nit verstoh,
worum die Sau mues s Läbe loh.

Lueg, do bring der se wieder z’rugg,
gfrässe het sie mir am Stuck
schampar schnäll, was hesch was gisch
e Kilo Chuttle ab em Tisch.

Los denn Sepp, nach mim Befund
Isch das Säuli durchwägs gsund.
Und muess die näggschti s Läbe loh
soll sie zerscht in Lade cho,

damit me gseht und nit vergisst,
ob sie nit scho wieder Chuttle frisst.

Rasch erfährt die Obere Gasse
von des Säulis sel’gem Frasse.
Seither ruft man überall:
„Es lebe Fines’ Schweinestall!“

 

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Die zweite Geschichte handelt ebenfalls von einer Sau, die aber bereits den Weg alles Irdischen gegangen ist. Damals vor rund 60 Jahren war der Zugang zur Schlachtbank der Metzgerei Jenzer gegen die Hintere Gasse hin (heute Dorfgasse) noch relativ leicht zugänglich. Die Hauptrolle in dieser Geschichte Die Speckseite spielt unser Appenzeller Hofhund Toni.

Die Speckseite

Wer einen Hund ins Haus genommen
hat den besten Freund gewonnen.
Dass dieses Tier das Beste sei
erzählt man, und noch allerlei.

Gehorcht aufs Wort und bellt nicht viel,
ist stets bereit zu einem Spiel,
mag Kinder gerne, beisst sie nicht,
fast meint man manchmal, dass er spricht.

Doch Toni war von andrer Art,
war stets für einen Streich parat,
streunte über Felder und durch Gassen
und balgte sich mit andern Rassen

blieb weg vom Hofe stundenlang,
denn es gab noch keinen Leinenzwang,
hockte nächtelang servil
vor eines Weibchens Domizil.

Hoch geringelt war sein Schwanz,
und sein Drippeln voller Eleganz
schlich mit tief gesenktem Kopf
und beschnüffelt’ Tür und Topf

in des Dorfes Hint’rer Gasse
so als wär’s zu seinem Spasse
und kam gewöhnlich ohne Rauferei
auch an der Jenzer Metzgerei vorbei.

So beschliesst er eines Tages:
„Ich hol sie mir! Ich wag’ es!
Die Gelegenheit ist gut,
es riecht nach frischem Fleisch und Blut.

Und zudem stammt in diesem Fall
die Sau aus meines Meisters Stall.
Ich hol dich, wenn auch nicht am Stück
wieder in den Stall zurück!“

Man weiss ja, kaum ein Hund ist schneller
als eben so ein Appenzeller
und hinterlistig noch dazu,
der Viehtrieb lässt ihn nicht in Ruh.

Er hat es heute gut getroffen:
Die Tür zur Metzgerei steht spaltweit offen.
Er späht nach rechts und äugt nach links
und denkt sich: Hoffentlich gelingt’s!

Und weil ihn niemanden ertappt
hat er sich ein Stück geschnappt
und schleift die ganze Seite Speck
heimlich von der Schlachtbank weg.

Er schleppt die Beute vor sich her.
Sie drückt ihn tief, sie lastet schwer
Mit eingezognem Schweife
geht es ohne jegliches Gekeife

durch die Obere Gasse hinters Haus.
Dort hält er fröhlich seinen Schmaus,
zermalmt die Rippen, dass es kracht.
Aus der Mittagsruh’ ist man darob erwacht

und ist entsetzt und fragt sich unverhohlen:
Wo hat der Toni nur dies Stück gestohlen?
Doch niemals wurde – das sei hier gesagt –
der Hofhund deshalb je verklagt.

Doch alle reden seit der Stund
Nur noch von Toni als dem Lasterhund.
Die Jenzers haben’s bisher nie erfahren.
Wir gesteh’n es heute, nach rund 60 Jahren.


Säuligschichtli 2010

Vorgetragen am Säuliessen 2010 von Roger Burri

S’ Schwein isch jo mit viilne unterschidliche Charakteristike und Image behaftet. Wenig anderi Tier henn e sone Bandbreiti und wärde für verschideni Usdrück aanezoge. Die länge vom negative wie „Dräcksau“ und „arms Schwein“ bis zum positive „Sparschweinli“ und Glück bzw. „Schwein gha“. Aber me seit de Schwein au noch, dass sie schlau sin. Um das gohts im Märli vom chline Säuli und de Wölf. Es isch emol e chlises Säuli gsi, wo imene Hüüsli im grosse Wald gläbt het. Eines Tages, wo’s grad in sim Hüüsli si Mittagässe kocht het, isch e grosse graue Wolf vorbii cho und het dur d’Düüre grüeft: "Liebs Säuli, loss mi bitte ine, well ’s do dusse sehr chalt isch und ich frier." "Wieso sött ich dich iineloo? Du wirsch mi uffrässe." "Loss mi wenigschtens e Hinterpfote iine strecke." S’ Säuli het dr Wolf e Hinterpfote dur e Türspalt lo iine strecke. Aber klammheimlich het’s glychzytig e grosse Topf Wasser uf em Härd übertoo. Nach ere Wyyl seit dr Wolf wieder: "Würdisch du mir bitte - mis liebschte chline Säuli - erlaube, au mini anderi Hinterpfote iine z’strecke?" Und s’ Säuli het dr Wolf sini anderi Hinterpfote lo iine strecke. Aber dr Wolf het sich drmit immer no nit begnüegt, sondern het nach ere Wyyl wieder bättlet: "Mis liebe chline Säuli, loss mi au mini zwei Vorderpfote iine strecke." Uns s’ Säuli het im Wolf au das erlaubt. Aber im Wolf het au das immer no nit glängt, und so het er witter bättlet: "Mis liebe chline Säuli, loss mi ändlig ganz iine, du wirsch gseh, dass ich di mit keim Finger wird berüehre." Druffhi het s’ Säuli e Sack gholt und en zum Türspalt ghebt, so dass dr Wolf, wenn er ruckwärts iinechunnt, direkt het müesse im Sack lande. Und denn het’s en iinegloh. Dr Wolf isch tatsächlig rücklings in dr Sack iine. S’ Säuli het sofort dr Sack packt und d’ Öffnig mit eme Seil zuebunde, denn het’s dr Topf mit em heisse Wasser gnoh und drmit dr Sack begosse, isch drvo g’rennt und uf e hohe Baum gschtiige. Dr Wolf het e Zyt lang gschrie, well s’ heisse Wasser si Fäll enthoort het, so dass er komplett kahl worde isch. Denn het er sich so lang hin und her gworfe, bis dr Chnote vom Sack sich glöst het und er het chönne uusechrieche. Er isch grad drvoo gloffe, um Hilf z’ hole. Dr Wolf isch bald wider mit zäh Kumpels zruggcho,. Sie hen s’ Säuli überall gsuecht, bis sie’s uf dr Spitze vom Baum entdeckt hen. Sie hen sich unter e Baum gsetzt und beroote, was sie sölle mache, zum das Säuli z’verwütsche, denn sie hen jo alli nit chönne uf e Baum chlätere. Nach ere lange, lange Zyt hen d’ Wölf beschlosse, eine uf dr Rugge vom andere z’chlätere, damit däjenigi vo ihne, wo zoberscht stoht, das Säuli cha packe. So hen sis denn au gmacht. Dr Wolf mit dr nackte Hutt het sich aber ganz unte aanegschtellt, well er Angst gha hett, höcher z’styge. So sin denn alli andere Wölf ein um dr ander uf si Rugge gstyge. Scho bald sin si so hoch aaglangt, dass nur no eine gfehlt het. Dä het denn aber au glyy aagfange z’chlätere. In däm Momänt het uf eimool s’ Säuli - so lutt es nur het chönne - gschrie: "Do chunnt s’ heisse Wasser für dr kahli Graui!" Dä armi, blutti Wolf z’unterscht isch e so sehr verschrocke, dass er uusegsprunge und ewäggloffe isch, so schnälle er het chönne. Die andere Wölf aber sin ein über dr ander gheit, und jede vonne het het sich mindeschtens ei Chnoche broche. S’ Säuli isch gmüetlig aabeklätteret und artig zrugg in si Hüüsli gange. Aber sytdäm het sich käi Wolf meh in dr Nöchi vo sim Hüüsli lo bligge. Und zum Abschluss no e churze Witz Träffe sich e Bär, e Löi und e Schwein. Säit dr Bär: wenn ich brüll, denn zitteret dr ganzi Wald Und dr Löi: wenn ich brüll, denn zitteret die ganzi Steppe S’Schwein lächlet und meint: Ich muess nur e chli hueschte, und dr ganzi Planet macht sich in d’Hose.